Unfall, was nun?


Sie sollten einige Punkte beachten bzw. informiert sein:
Der Ärger nach einem unverschuldeten Unfall ist groß. Das Auto ist beschädigt und die
Schadensregulierung ist ein für den Laien äusserst komplexes Thema. Wichtig ist es in dieser
Situation einen klaren Kopf zu behalten und die richtigen Schritte einzuleiten.


Damit die Schadenabwicklung von Anfang an reibungslos verläuft, haben wir einige Punkte
zusammengestellt, die Sie als Geschädigter über ihre Rechte aber auch über ihre Pflichten informieren:


1. Recht auf freie Gutachterwahl zur Erstellung eines Schadengutachtens


Bei Reparaturkosten über 750,– € sollten Sie die Schadenhöhe vor Erteilung des Reparaturauftrages
durch einen freien Sachverständigen feststellen lassen; das gilt auch, wenn die Reparaturkosten den
Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges übersteigen (Totalschaden).
Hat der Unfallgegner den Unfall verursacht, muss dessen Kfz-Haftpflichtversicherung diese Gutachter-
kosten übernehmen.


Der Geschädigte hat einen Anspruch auf den Gutachter seiner Wahl, er muss sich nicht auf einen
Sachverständigen der Haftpflichtversicherung verweisen lassen.  Das gilt selbst dann, wenn die
Versicherung ohne Zustimmung des Geschädigten bereits einen Sachverständigen bestellt oder
geschickt hat. Das Gutachten eines freien Sachverständigen hat Beweissicherungsfunktion, zur
Sicherung ihres Schadenersatzes. :Es enthält neben der schon genannten Feststellung der Höhe
der Reparaturkosten auch Angaben zu einer eventuell vorliegenden Wertminderung Ihres Fahrzeugs.
Ohne unabhängigen Kfz-Sachverständigen verzichten häufig Autofahrer auf Wertminderungen von
bis zu mehreren tausend Euro. Weiter kann auch die unfallbedingte Ausfallzeit des Fahrzeugs festgestellt
werden, sodass Ersatzansprüche bezüglich Mietwagen oder Nutzungsausfallentschädigung besser belegt
werden können. Letztlich werden auch  Wiederbeschaffungswert und Restwert festgelegt soweit sie
abhängig von der Schadenhöhe  benötigt werden. Sollte der Schaden unterhalb der Bagatellschadengrenze
liegen, genügt ein Kostenvoranschlag der Fachwerkstatt bzw. besser ein Kurzgutachten was zusätzliche
Beweissicherungsfunktion hat.

Achtung: Beachten Sie, dass im Falle eines Fahrzeugverkaufs die Tatsache eines Unfallschadens, auch
wenn dieser  repariert worden ist, angegeben werden muss ( Offenbarungspflicht ). Durch Vorlage
des Schadengutachten inkl. Fotos  kann einem eventuellen Kaufinteressenten der genaue Schadenunfall belegt werden.


2. Werkstatt ihrer Wahl

Sie haben das Recht, die Reparaturwerkstatt ihres Vertrauens mit der Reparatur der unfallbedingten
Schäden selbst zu bestimmen. Die Versicherung hat kein Recht, Ihnen eine andere Werkstatt
vorzuschreiben. Wer das ganze Jahr für Sie den Service leistet wird das auch im Falle eines Unfalls tun.


3. Mietwagen

Sie haben das Recht, einen Mietwagen oder den Nutzungsausfall für die Zeit,  in der Sie unfallbedingt
Ihr Fahrzeug nicht nutzen können, zu beanspruchen.

Achtung: Bei nur geringem Fahrbedarf (weniger als 25 km täglich) ist es besser, auf ein Taxi oder
öffentliche Verkehrsmittel zurückzugreifen, da die Versicherung in diesem Fall nicht verpflichtet ist,
die Mietwagenkosten zu begleichen.


4. Rat und Hilfe

Um vollen Schadenersatz zu erhalten, sollten Sie sich stets an einen Anwalt Ihres Vertrauens wenden.
Beachten Sie, dass ein Fachanwalt für Ihr Interesse entscheidende Vorteile für Sie bei der Durchsetzung
Ihrer Schadenersatzansprüche geltend machen kann. Wenn Sie unschuldig am Unfall sind, muss die
gegnerische Haftpflichtversicherung die Anwaltsgebühren zahlen.


5. Achtung bei Angeboten für ein Schadenmanagement!

Behalten Sie die Abwicklung des Unfallschadens stets in ihren Händen. Lassen Sie sich in Ihrem eigenen
Interesse von der gegnerischen Versicherung nicht dazu drängen, dem Angebot, sich um die Abwicklung
des Schadens komplett zu kümmern, zuzustimmen.
Es besteht das Risiko, dass Ihre berechtigten Schadenersatzansprüche nicht im vollen  rechtlichen Umfang
ersetzt werden.
Ihr Gutachter und auch Ihr Rechtsanwalt  sichern Ihnen die korrekte Schadenabwicklung.


6.Totalschaden - Sie können reparieren oder verkaufen!

Wenn die Reparaturkosten höher sind als der Wiederbeschaffungswert, können Sie Ihr Auto
trotzdem in Ihrer Fachwerkstatt reparieren lassen.
Wichtige Bedingungen sind, dass die veranschlagten Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert
nicht um mehr als 30% übersteigen und dass Sie das Fahrzeug weiter nutzen wollen.

Lassen Sie das Fahrzeug im Totalschadensfall nicht reparieren, haben Sie Anspruch auf Ersatz in
Höhe des Wiederbeschaffungswertes - aber abzüglich des Restwertes Ihres Fahrzeuges und auch
abzüglich der im Wiederbeschaffungswert enthaltenen Mehrwertsteuer. Im Schadensfall wird die
Mehrwertsteuer nur so weit ersetzt, wie sie tatsächlich angefallen ist und das hängt u. a. vom
Alter und Typ des Unfallfahrzeugs ab . Aussagen dazu finden Sie im Sachverständigengutachten.

Sie haben auch das Recht, Ihr Fahrzeug zu dem Restwert (z. B. an Ihre Fachwerkstatt) zu verkaufen,
den der Sachverständige in seinem Gutachten ermittelt hat. Zur Sicherheit empfiehlt sich ein korrekt
datierter schriftlicher Kaufvertrag mit Ihrer Fachwerkstatt. Restwertangebote der Versicherung müssen
nur dann beachtet werden, wenn das konkrete Angebot der Versicherung vorliegt, bevor das Fahrzeug
veräußert wurde und dieses Angebot für Sie zumutbar ist.


7.Abrechnung auf Gutachtenbasis

Dem Geschädigten steht es frei, sich die Reparaturkosten vom Unfallgegner auf der Basis eines von
ihm vorgelegten Schadengutachtens erstatten zu lassen ( fiktive Abrechnung )  Hier wird die
Mehrwertsteuer nicht mit ausgezahlt. Seit 2002 wird in der Schadenregulierung die Mehrwertsteuer
nur dann bezahlt, wenn sie wirklich anfällt.
Die Reparaturkosten lt. Gutachten oder Kostenvoranschlag einer Fachwerkstatt müssen Ihnen
unabhängig davon ersetzt werden, ob Sie Ihr Auto selbst, teilweise oder überhaupt nicht reparieren


8.
Schutz der gegnerischen Versicherung

Der unabhängige Sachverständige trägt dazu bei, dass auch die gegnerische Versicherung vor nicht
zutreffenden Schadenersatzleistungen bewahrt wird. Bitte bedenken Sie, dass dies allen Versicherten
dient die mit ihrer Prämie letztlich die Schadenbehebung finanzieren.


9.Nebenkosten

Angefallene Abschleppkosten und Standgebühren sind ebenso zu erstatten wie Ummeldekosten bei
der Ersatzbeschaffung. Telefon- und Portokosten werden mit einer Pauschale von 25,– € abgegolten.
Ihr Zeitaufwand wird nicht vergütet.


10.
Personenschaden

Gehen Sie umgehend zum Arzt. Auch wenn erst Tage nach dem Unfall Schmerzen auftreten. Nur so
kann eine unfallbedingte Verletzung für eine Schmerzensgeldforderung dokumentiert werden. Lassen
Sie sich hierüber und über weitere Ansprüche (z. B. Verdienstausfall, Rentenansprüche) von einem Anwalt beraten.